Wohnungsnotstand
7.7.2026 - AGO trifft sich mit der Stiftung Trentino Abitare...
Die Wohnungsnot stellt heute auch in Südtirol eines der gravierendsten sozialen und wirtschaftlichen Probleme dar. Der Zugang zu Mietwohnungen ist immer schwieriger geworden, nicht nur für die traditionell besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen, sondern auch für die sogenannte „Grauzone“, bestehend aus Arbeitnehmern, Jugendlichen, Familien und Bürgern, die zwar über ein Einkommen verfügen, aber dennoch keine Wohnung zu tragbaren Kosten mehr finden oder behalten können.
Besonders besorgniserregend ist die Situation der Arbeitnehmer aus dem übrigen Italien sowie aus europäischen und außereuropäischen Ländern, die sich für Südtirol als Arbeitsort entscheiden, dort jedoch mit der fast völligen Unmöglichkeit konfrontiert sind, eine Unterkunft zu finden. Eine Situation, die zu schwerwiegenden menschlichen und sozialen Notlagen führt. Einige sind gezwungen, in Notunterkünften zu leben oder sogar im Freien zu schlafen, während andere, denen es unmöglich ist, sich eine stabile Lebensperspektive aufzubauen, die Region bereits nach wenigen Monaten wieder verlassen müssen. Eine Situation, die sich auch negativ auf die lokale Wirtschaft auswirkt, die ohnehin bereits mit einem zunehmenden Arbeitskräftemangel zu kämpfen
hat, auch im öffentlichen Dienst.
Um dieser Notlage zu begegnen, ist es notwendig, über eine rein auf Notfälle ausgerichtete Denkweise hinauszugehen und strukturelle Instrumente zu schaffen, die das Zusammentreffen von Wohnungsangebot und -nachfrage fördern, den bestehenden Immobilienbestand aufwerten und neue Möglichkeiten für den Zugang zu Wohnraum schaffen.
Vor diesem Hintergrund hatte die autonome Gewerkschaftsorganisation AGO heute (6.7.2026) Gelegenheit, sich mit der Leitung der Stiftung „Trentino Abitare“ zu treffen, einem 2025 gegründeten Sozialunternehmen des Dritten Sektors, dessen Ziel es ist, den Zugang zu Wohnraum durch innovative, nachhaltige und erschwingliche Modelle zu fördern.
Die von der Stiftung gesammelten Erfahrungen sind ein konkretes Beispiel dafür, wie das Wohnungsproblem durch die Sanierung ungenutzter Immobilien, die soziale Verwaltung des Immobilienbestands, die Förderung langfristiger Wohnmietverhältnisse und den Aufbau eines Kooperationsnetzwerks zwischen öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen, Eigentümern und lokalen Organisationen angegangen werden kann.
Die erzielten Ergebnisse bestätigen die Wirksamkeit dieses Modells. In kurzer Zeit hat die Stiftung über ein Netzwerk von acht Standorten in Trient, Rovereto, Ala, Mezzocorona, Arco, Riva del Garda, Borgo Valsugana und Fiera di Primiero mehr als 750 Menschen mit Wohnbedarf erreicht. Es wurden 71 Wohnlösungen auf den Weg gebracht, darunter 57 erfolgreich abgeschlossene Vermittlungen zwischen Eigentümern und Mietern sowie 14 direkt verwaltete Wohnungen, was zeigt, wie eine qualifizierte Begleitung schwierige Situationen in Wege zu wohnungsbezogener Stabilität verwandeln kann.
Von entscheidender Bedeutung war auch das Vertrauensverhältnis, das zu den Immobilienbesitzern aufgebaut wurde. Die Stiftung hat über 160 Eigentümer angesprochen, von denen 110 in eine intensive Zusammenarbeit eingebunden wurden, was dazu beitrug, das Angebot an verfügbaren Wohnungen konkret zu erweitern und Misstrauen sowie kritische Punkte bei der Verwaltung der Mietverhältnisse abzubauen.
Zu den eingesetzten Instrumenten zählen die Sanierung und Wiederherstellung leerstehender Wohnungen, die Erleichterung der Kontaktaufnahme zwischen Vermietern und Mietern, die Begleitung bei der Gestaltung von Mietverhältnissen, die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen für Arbeitnehmer, Jugendliche und Familien sowie die Förderung neuer Wohnmodelle, die mehr Stabilität und Sicherheit gewährleisten. Kurz gesagt: eine große Aufgabe.
Unsere Gewerkschaft ist der Ansicht, dass diese Erfahrungen auch für Südtirol eine wichtige Inspirationsquelle darstellen können, wo es mittlerweile unerlässlich ist, ein territoriales System aufzubauen, das Institutionen, Sozialpartner, Unternehmen und Immobilienbesitzer miteinander vernetzt, um das Wohnungsangebot zu erweitern und den Mietmarkt zugänglicher zu machen.
Das Thema Wohnen stellt derzeit einen strategischen Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit der Region dar. Ohne einen zugänglicheren Mietmarkt wird es immer schwieriger werden, Arbeitskräfte anzuziehen und zu halten, grundlegende Dienstleistungen zu gewährleisten und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Provinz zu fördern.
AGO bekräftigt, dass das Recht auf Wohnen ein wesentliches Element darstellt, um die Würde der Menschen zu gewährleisten, die soziale Inklusion zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftssystems der Provinz zu stärken.
Das heutige Treffen stellt einen ersten Schritt hin zu einem Austausch dar, den die AGO auch in Südtirol ausbauen möchte, indem sie den Dialog mit den zuständigen Institutionen fördert, damit Instrumente und Organisationsmodelle, die sich in anderen Regionen bereits erfolgreich bewährt haben, geprüft und, soweit möglich, übernommen werden können.
Das Thema Wohnen darf nicht nur als individuelles Problem betrachtet werden, sondern ist eine soziale, wirtschaftliche und strategische Priorität für die Zukunft Südtirols und erfordert gemeinsame, innovative und zeitnahe Lösungen.
AGO Service
