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Mobbing
Die AGO organisierte bis Mitte September eine Umfrageaktion in den Gebietskörperschaften Südtirols, um dem Problem Mobbing auf den Zahn zu fühlen.Das Thema der seelischen Gewalt am Arbeitsplatz ist in den letzten Jahren immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Menschen die ihr Leid stillschweigend hinnehmen mussten haben inzwischen den Mut, sich zu äußern und auf die Gewalt, deren Opfer sie sind, hinzuweisen. Um allerdings Missverständnissen vorzubeugen, sollte man den Begriff "seelische Gewalt" sehr sorgsam verwenden. Da der Ausdruck mittlerweile in die Alltagssprache vorgedrungen ist, wird es auch für Mißstände anderer Art gebraucht. Man neigt dazu, als "seelische Gewalt" zu bezeichnen, was in Wahrheit nichts anderes ist als Zeitdruck und Arbeitsstress.
Seelische Gewalt unterscheidet sich daher deutlich von dem, was man gemeinhin unter seelischem Stress versteht. Seelische Gewalt ist folglich weit mehr als Stress, auch wenn sie zumeist mit Stress beginnt. Die eigentliche Fase der selischen Gewalt beginnt, wenn die als Zielscheibe fungierende Person die Böswilligkeit, der sie ausgesetzt ist erkennt und in kleinen Attacken fortgesetzt an sie gerichtet ist.
Daher wurde im Fragebogen ein Zeitraum von 6 Monaten angegeben, in denen die betroffenen Personen mehrmals dosierten Demütigungen am Arbeitsplatz ausgesetzt sein mussten.
Aufgefallen ist dabei auch, dass Bedienstete aus der Landesverwaltung den Fragebogen beantwortet haben, obwohl sie nicht direkt angesprochen wurden. Daraus kann man erahnen, dass auch im Landesdienst das Problem vermehrt vorkommt.
Auf die verschickten Fragebögen an die 800 Mitglieder kamen 64 verwertbare Antworten zurück, was einer Beteiligung von 8% entspricht. Lt. internationalen Statistiken sind zwischen 1 und 17% der Arbeitnehmer von Mobbing betroffen.
Dabei ist zu betonen, dass vor allem die Rückmeldung aus dem Sozialbereich gering war, obwohl wir aus persönlichen Gesprächen wissen, dass das Personal im Sozialbereich vermehrt dem Mobbing ausgesetzt ist.
Mit einer gewissen Anzahl der Opfer wurde persönlich gesprochen. Interessant ist das maßvolle Verhalten dieser Personen, wenn sie über die erlittenen Bösartigkeiten sprechen. Sie beschreiben Tatsachen und versuchen vor allem zu begreifen, was sie in ihrem Betragen hätten ändern können, um eine Lösung zu finden.
Ist seelische Gewalt berufsabhängig?
Nein sicher nicht!
Obwohl 70% der eingelangten Fragebögen auf den Verwaltungsbereich und nur 30% auf den operativen Bereich fallen, wissen wir aus persönlichen Gesprächen, dass Personal im operativen Bereich ( zB. Altenpflege) es vorziehen, Konflikten mit Vorgesetzten oder Kollegen sich dadurch zu entziehen, indem sie sich in die teilweise stressigere und intensivere Nachtschicht einteilen lassen und sich damit Freiräume schaffen, die in der Tageschicht unmöglich wären. Der finanzielle Anreiz ist hier primär nicht ausschlaggebend, sonder die Scheu vor Konflikten.
Wir wissen von Personal, das seit mehreren Jahren dieses System praktiziert. Die Vereinsamung und das damit einhergehende abdriften ins Burn-Out ist fließend.
Im Gegensatz dazu ist ein Wechsel im administrativen Bereich etwas schwieriger, da dies nur mit Einverständniss des Vorgesetzten erfolgen kann, sollte der Vorgesetzte auch noch "Täter" sein ist ein ausweichen praktisch unmöglich.
Ist seelische Gewalt geschlechtsabhängig?
Die zurückgesandten Fragebögen weisen einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern auf:
75% Frauen gegenüber 25% Männern.
21% der Frauen meinen, es komme "öfters" vor, dass ihre Vorgesetzten oder Kollegen die Arbeitsleistung falsch bewerten, Informationen verweigern, Ausgrenzen, Isolieren, sich gleichgültig oder abweisend verhalten.
2% geben an, tagtäglich an ihrem Arbeitsplatz terrorisiert worden zu sein.
Von den befragten Männern erleben
5% vom Vorgesetzten oder Kollegen "öfters" Schikanen.
0,5% geben an, täglich gemobbt zu werden.
Teilweise überraschend sind auch die Antworten bei den Auswirkungen des Mobbings auf das Arbeits- und Leistungsverhalten:
48% der Betroffenen geben an "demotiviert" zu sein, darunter auch Personen, die sich nicht als Mobbingopfer sehen.
42% sind in der Ausübung ihrer Arbeit stark verunsichert, es folgen starkes Mißtrauen gegenüber den Kollegen und Vorgesetzten mit 39%.
38% der Betroffenen leiden an Konzentrationsschwäche, sind gereizt, aggressiv, nervös und haben innerlich bereits gekündigt was einem persönlichen Stillstand gleichkommt, wo es weder ein vor noch zurück gibt.
Um diese Leere zu ertragen muss man innerlich kündigen meinte eine dazu befragte Person.
Würde man dieses Ergebnis auf das gesamte Personal der Gebietskörperschaften hochrechnen, hätten wir rund 700 Mobbinggefährdete – ein Ergebnis das sehr wohl zu denken gibt.
Mobbing-Handbuch - Ratgeber zur Hilfe oder Selbsthilfe
AGO Info Nr. 6 - Dezember 2001
Dieses Handbuch, deren Inhalt uns von Herrn Thomas Kasper der IG-Metall (Industriegewerkschaft Metall -Vorstand -, Frankfurt am Main) freundlicher Weise zur Verfügung gestellt wurde - wofür wir uns auf diesem Wege bedanken möchten, soll ein Ratgeber zur Hilfe oder Selbsthilfe bei Schikanen am Arbeitsplatz sein.
AGO Info Nr. 6 - Dezember 2001
Dieses Handbuch, deren Inhalt uns von Herrn Thomas Kasper der IG-Metall (Industriegewerkschaft Metall -Vorstand -, Frankfurt am Main) freundlicher Weise zur Verfügung gestellt wurde - wofür wir uns auf diesem Wege bedanken möchten, soll ein Ratgeber zur Hilfe oder Selbsthilfe bei Schikanen am Arbeitsplatz sein.
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